Pauschalreiserecht


Auswirkungen auf die Hotellerie

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Die neue Pauschalreiserichtlinie wird mit 1. Juli 2018 umgesetzt. Alle Verträge, die ab diesem Zeitpunkt bestehen, müssen der neuen Richtlinie entsprechen. Hier gibt's eine Übersicht als Hilfestellung - für Details wendet euch an die Wirtschaftskammer oder euren Steuerberater.

Was ist eine Pauschalreise?

= eine Kombination aus min. 2 verschiedenen Arten von Reiseleistungen für den Zweck derselben Reise (online & offline). Es gibt diese 4 verschiedenen Arten von Reiseleistungen:

  • 1 Beförderung von Personen (z.B. Transfer zum Flughafen)
  • 2 Unterbringung (z.B. Zimmervermietung im Hotel)
  • 3 Autovermietung
  • 4 andere touristische Leistungen (z.B. Eintrittskarten für Konzerte, Wellnessbehandlungen,...)

Beispiel:
Kombinationen aus 1,  2 und 3 = IMMER Pauschalreise
Kombination aus 1 und 4, 2 und 4 oder 3 und 4 = NICHT IMMER Pauschalreise

Prüfung bei Kombination aus Unterbringung und anderer touristischer Leistung:
Es ergibt sich KEINE Pauschalreise, wenn die anderern touristischen Leistungen

  • Keinen erheblichen Anteil am Gesamtwert der Kombination ausmachen (gesamt unterhalb der 25%-Grenze)
  • nicht als wesentliches Merkmal beworben werden (Achtung bei der Wortwahl, Wortlaute)
  • kein wesentliches Merkmal der Kombination sind (Skiliftkarten beim Angebot Skihitwoche ist ein wesentliches Merkmal!)

Beispiel - Pauschale JA oder NEIN?
Hotel Mustermann
Skihitwoche in Tirol
7 Übernachtungen - € 1.300,- pro Person
Inklusivleistungen:

  • 7 Übernachtungen im Hotel Mustermann
  • 5-Tagesskipass für das Skigebiet Sölden (im Wert von € 250,-)
  • Gratis Skibus in das Skigebiet
  • 1 Teilmassage (25 min im Wert von € 40,-)
  • Hoteleigener Wellnessbereich

 JA 
Das Angebot umfasst neben der Übernachtung (2. ) noch zwei weitere touristische Leistungen, den Skipass & die Teilmassage (4.), die Sauna gehört zur Übernachtung dazu. Und obwohl diese zusammen die 25%-Schwelle nicht erreichen, handelt es sich aufgrund der Bewerbung der Kombination um eine Pauschalreise. Der inkludierte Skipass ist eindeutig ein wesentliches Merkmal einer "Skihitwoche in Tirol".

Ob ein Beherbergungsvertrag zum Pauschalreiseveranstalter wird, kommt auf die Gestaltung des Angebotes an und vor allem, wie der Gast das Angebot wahrnimmt!

Warum ist es wichtig ob Pauschalreise Ja oder Nein?

Die neue Pauschalreiserichtlinie gilt für Pauschalreiseverträge zwischen Unternehmen und einem Reisenden. Handelt es sich um eine Pauschalreise, ist der Vermieter automatisch in der Rolle des Pauschalreiseveranstalters und das bedeutet:

  • erhöhte Informationspflicht
  • umfassender Rechtsschutz - volle Haftung bei allen inkludierten Leistungen
Informationspflichten

wenn man Pauschalen weiterhin anbieten möchte:

  • vorvertragliche Informationspflicht bedeutet schon im ANGEBOT:
    Bereitstellung von Standardinformationsblatt gem. Anhang I Teil A oder B (siehe WKO),
    sowie bestimmten Infos zu den Reiseleistungen, klar und verständlich kommuniziert
  • Information bei Vertragsabschluss, also in Reservierungsbestätigungen, Vertrag oder Rechnung: die vorvertraglichen Informationspflichten nochmal anführen, sowie Informationspflichten bei Vertragsabschluss auf dauerhaftem Datenträger (Inhalt bitte bei WKO oder TVB nachfragen)

Der Betrieb muss für sich entscheiden, ob eine Pauschalreise vorliegt oder nicht und das passende Standardinformationsblatt dem Gast zusenden. Bei Verletzung der Informationspflicht können Geldstrafen bis € 1.450,- anfallen.

Haftung

Bisher lag die Haftungsbeschränkung beim Beherberungsvertrag bei € 1.100,-, bei Kostbarkeiten wie Geld oder Wertpapiere bei € 550,-. Bei einer Pauschalreise haftet der Pauschalreiseveranstalter (Betrieb) für ALLE im Pauschalreisevertrag vereinbarten Reiseleistungen, auch für jene von Dritten! Wichtig ist daher zu prüfen, welcher Versicherungsumfang besteht (nur Hotel oder auch Reisebüro).

Insolvenzabsicherung

Reiseveranstalter haben für den Fall einer Insolvenz eine Insolvenzabsicherung sicherzustellen. Hier gibt es bereits ein ausgearbeitetes Modell mit der ÖHT (www.tourismusversicherung.at) mit  gestaffelten Jahresprämien, je nach Betriebsgröße.

Gewerbeordnung

Für die Vermittlung und Veranstaltung von Pauschalreisen bedarf es nach GewO eine Gewerbeberechtigung für das Gewerbe Reisebüro.

ABER

es gibt nicht nötig bei  Unterbringung im eigenen Betrieb und beim Anbieten dieser touristischen Leistungen: Ski- und Liftkarten, Verleih von Sportausrüstungen, Sport- und Wanderführungen, Eintrittskarten für Veranstaltungen und Freizeiteinrichtungen, Wellnessbehandlungen, Veranstaltungen von Tagesausflügen. 
ACHTUNG: Die Ausnahme bezieht sich nur auf die Gewerbeordnung! Alle Bestimmungen der Pauschalreiserichtlinie (Informationspflicht, Haftung, Insolvenzabsicherung) sind davon unabhängig einzuhalten.

Privatzimmervermieter fallen NICHT unter die Gewerbeordnung, daher müssten sie ein Reisebürogewerbe anmelden, wenn sie weiterhin Pauschalen anbieten möchten!

Hilfe für Betriebe

 Allgemein gibt es sehr viele Informationen auf der Fachverband-Homepage für Reisebüros.
Jetzt ansehen! 

  • Zur allgemeinen Information gibt es Broschüren der WKO (Link Broschüre kurz)
  • Zur Prüfung, ob es sich bei einem Angebot um eine Pauschalreise oder eine verbundene Reiseleistung handelt, gibt es einen sehr hilfreichen Entscheidungsbaum (Link Entscheidungsbaum). 
  • Zu den Informationspflichten gibt es ein Merkblatt (Link Merkblatt Standardinformationsblätter) sowie auch alle Standardinformationsblätter zum Download auf der Homepage für Reisebüros

Alle Angaben ohne Gewähr.