Alpenblumengarten
Blühende Pracht - heilende Kraft
Innehalten, durchatmen und neue Energie sammeln
Manche Orte laden ganz automatisch dazu ein, langsamer zu werden. Im Wipptal treffen eindrucksvolle Naturlandschaften, jahrhundertealte Geschichten und gelebter Glaube aufeinander. Viele dieser Plätze lassen sich bei einer Wanderung oder einem gemütlichen Spaziergang entdecken. Wir stellen euch fünf spirituelle Kraftplätze vor, an denen man innehalten, durchatmen und neue Energie sammeln kann.
Was einen Kraftplatz ausmacht, empfindet jeder Mensch anders. Für manche ist es eine stille Waldlichtung, für andere ein rauschender Bach, ein besonderer Aussichtspunkt oder eine kleine Kapelle. Dabei muss Spiritualität nicht zwingend mit Religion verbunden sein.
Im Wipptal ist der katholische Glaube jedoch seit Jahrhunderten fest in der Geschichte und im Alltag der Menschen verankert. Deshalb führt unsere Auswahl zu fünf Kirchen und Kapellen, deren besondere Lage ebenso beeindruckt wie ihre Geschichte.
Rund 400 Meter über dem Talboden thront das Wallfahrtskirchlein St. Magdalena auf einem Felsvorsprung zwischen Trins und Gschnitz. Die Wallfahrtsstätte wurde 1307 erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich befand sich hier bereits zuvor eine Kultstätte, die mit einer heute versiegten Quelle verbunden war. Im Inneren wurden bei Restaurierungsarbeiten Fresken aus dem 13. und 15. Jahrhundert freigelegt. Sie zählen zu den ältesten erhaltenen Wandmalereien Nordtirols.
Erreichbar ist St. Magdalena über Wanderwege von Trins oder Gschnitz. Sportliche Besucher können auch über den Klettersteig der Schwierigkeit B/C zur Kapelle aufsteigen. Oben warten eine kleine Jausenstation und ein weiter Blick über das Gschnitztal.
Versteckt in einer Waldlichtung oberhalb des Weilers Toldern liegt das Wallfahrtskirchlein „Mariahilf in der Kalten Herberge“. Der Legende nach entdeckte ein Hirte an einem stürmischen Herbsttag unter einer großen Fichte eine Frau mit einem Kind. Voller Mitgefühl soll er zu ihr gesagt haben: „Hast du da eine kalte Herberge!“ Später glaubte man, in der Frau die Muttergottes erkannt zu haben.
Bereits 1730 wurde an dieser Stelle eine einfache Holzkapelle errichtet, die später durch das heutige Kirchlein ersetzt wurde. Mehrere Wanderwege führen zur Kalten Herberge. Besonders schön ist eine kleine Runde durch das Wildlahnertal, bei der sich Wald, Berglandschaft und Geschichte miteinander verbinden.
Auf 1.638 Metern liegt Maria Waldrast am Fuße der markanten Serles oberhalb von Matrei am Brenner. Das Servitenkloster zählt zu den höchstgelegenen Klöstern Europas und ist seit Jahrhunderten ein bedeutender Wallfahrtsort. Der Name „Waldrast“ erinnert daran, dass Reisende hier einst auf einer kleinen Waldlichtung Rast machten. Der Legende nach entdeckten zwei Hirtenknaben im Jahr 1407 ein Marienbild in einem hohlen Lärchenstamm. Wenig später soll einem Holzfäller die Muttergottes erschienen sein und ihn mit dem Bau einer Kapelle beauftragt haben. 1429 wurde die erste Kapelle fertiggestellt.
Heute kommen Pilger, Wanderer und Ruhesuchende nach Maria Waldrast. Der Schöpfungsweg und der Quellenweg laden zu einem bewussten Naturerlebnis ein. Wer es sportlicher mag, kann von hier zu einer anspruchsvollen Bergtour auf die 2.718 Meter hohe Serles aufbrechen.
Kristallklares Wasser, lichte Lärchenwiesen und die schroffen Felswände des Obernberger Tribulauns prägen die Landschaft rund um den Obernberger See. Auf einer kleinen Halbinsel zwischen den beiden Seebereichen steht die denkmalgeschützte Kapelle „Maria am See“. Der Natursteinbau entstand in den Jahren 1934 und 1935 und ist über eine kleine Brücke erreichbar. Im Inneren befinden sich Fresken des Tiroler Künstlers Carl Rieder. Besonders eindrucksvoll ist der Blick von der Kapelle über das Wasser und auf die umliegenden Berge.
Eine Rundwanderung um den See bietet immer wieder neue Perspektiven. Wer zwischendurch am Ufer innehält, hört oft nur das Wasser, den Wind und die Geräusche des Waldes.
Auf einer Anhöhe oberhalb von Steinach am Brenner liegt die kleine Kirche St. Ursula. Der Ort Mauern wurde bereits im 10. Jahrhundert als „Muron“ erwähnt. Die Kirche selbst ist seit dem Jahr 1201 urkundlich belegt und besitzt bis heute romanische Bauteile.
Eine besondere Verbindung besteht zum Tuxertal. Früher mussten Verstorbene aus Hintertux über das Tuxer Joch bis zum Friedhof nach Mauern gebracht werden. Dieser Weg war lang und beschwerlich, vor allem in der kalten Jahreszeit. Drei Kreuze am Friedhof erinnern noch heute an die Verstorbenen aus Tux.
Von St. Ursula aus lohnt sich ein gemütlicher Spaziergang in Richtung Tienzens. Der ruhige Weg führt nahezu ohne größere Steigungen durch die ländliche Umgebung und eröffnet schöne Ausblicke auf Steinach, Matrei und die Wipptaler Bergwelt.